Erreger der Tollwut ist ein Virus uns der Gruppe
der Rhabdoviren mit gewehrkugelartiger Gestalt.
Der Hauptübertragungsweg ist das Einbringen von
Speichel eines infizierten Tieres unter die Haut durch eine Wunde oder eine
Hautabschürfung. Meistens geschieht dies durch den Biß eines tollwütigen
Tieres.
An der Infektionsstelle vermehrt sich das Virus
zuerst in Muskelzellen. Von dort aus wandern sie entlang der Nervenbahnen
ins Gehirn; dort vermehrt es sich weiter und erzeugt neurologische
Ausfallerscheinungen. Vom Gehirn breitet es sich im Körper weiter aus und
gelangt schließlich in die Speicheldrüsen und die Schweißdrüsen, von wo aus
es auf andere Tiere und Menschen übertragen werden kann.
Die weitgehend symptomfreie Inkubationszeit ist
beim Menschen in der Regel 3–8 Wochen, doch wurden in Einzelfällen
Inkubationszeiten von über einem Jahr gesehen. Die Dauer der Inkubationszeit
hängt stark von der Virusmenge und der Entfernung der Eindringpforte zum
Gehirn ab. So wurden bei Kopfwunden mit kürzeren Inkubationszeiten
beobachtet als bei Bissen in Arme oder Beine.
Symptomatologie
Die Tollwut verläuft in drei Stadien. Während
der Inkubationszeit können uncharakteristische Symptome auftreten.
Das zweite Stadium ist durch die folgenden, sehr
spezifischen Symptome gekennzeichnet:
- Angstgefühle, Unruhe;
- Krämpfe der Rachenmuskulatur, ausgelöst durch
den Schluckakt;
- dadurch Angst zu trinken
- und Speichelfluß, um den Speichel nicht
schlucken zu müssen;
- typische Wasserscheu; das Sehen oder Hören
von Wasser führt zu Unruhe und Krämpfen der Skelettmuskulatur;
- aggressiver und depressiver Gemütszustand
wechseln einander ab.
Im letzten Stadium lassen die Krämpfe und die
Unruhe nach bei gleichzeitiger fortschreitender Lähmung der
Skelettmuskulatur. Der Tod tritt durch Lähmung der Atemmuskulatur ein.
Vorbeugende Maßnahmen
Bei Personen, die beruflich mit möglicherweise
infizierten Hunden und Tieren zu tun haben, ist eine Impfung zu erwägen,
ebenso vor Reisen in Länder mit deutlich erhöhtem Tollwutrisiko (Indien,
Thailand, China, Äthiopien).
Auch Haustiere mit Auslauf, Hunde und Katzen,
sollten gegen Tollwut geimpft werden. Vor Reisen in bestimmte Länder ist
dies Pflicht.
Epidemiologie der Tollwut
Nur wenige Länder gelten als tollwutfrei; in
Europa sind dies Großbritannien, Irland, Norwegen und Schweden. Überall
sonst in Nordeuropa, Nordasien und Kanada bilden die Füchse, insbesondere
der Rotfuchs das Hauptreservoir an wildlebenden Tollwutüberträgern. Aber
auch Dachse, Waschbären, Schakale, Mungos und Skunks (Stinktiere) sind
betroffen. Von ihnen stecken sich Haustiere, vor allem Hunde und Katzen,
aber auch Schafe und Rinder an, die wiederum Menschen infizieren können. In
Afrika sind dies vor allem verwilderte Hunde und Katzen, in Mittel- und
Südamerika bilden Fledermäuse das Hauptreservoir. Diese Fledermäuse saugen
an anderen Tieren Blut wie beispielsweise bei Rinderherden, die nachts im
Freien stehen.
Ausgedehnte Impfungen von Füchsen durch
präparierte Tiere (Impfköder) haben die Tollwut in Europa massiv
zurückgedrängt. Doch kann sich nach Impflücken und einer ungehemmten
Vermehrung der Füchse – sie kennen kaum natürliche Feinde – die Situation
jederzeit wieder verschlechtern.
Die ersten Anzeichen einer Infektion treten im
allgemeinen nach 3–8 Wochen auf, jedoch kann die Krankheit auch deutlich
später ausbrechen. Inkubationszeiten von deutlich über einen Jahr wurden
gesehen. Es wurde beobachtet, dass die Inkubationszeit umso länger ist, je
weiter die Bissstelle von Kopf entfernt ist, denn das Virus vermehrt sich von
der Bissstelle ausgehend entlang den Nervenbahnen und dem Rückenmark.
Infizierte Tiere scheiden das Virus mit dem
Speichel aus; durch Biss können dann andere Tiere oder der Mensch angesteckt
werden. Auch erkrankte Menschen geben über ihre Speicheldrüsen Viruspartikel
ab, doch ist noch keine Übertragung auf diesem Wege bekannt geworden. Durch
intakte Haut kann das Virus nicht eindringen.
In Deutschland treten bei Menschen
durchschnittlich 1–3 Todesfälle pro Jahr auf, in Europa 30 Fälle. In Asien
ist die Tollwut allerdings ein erhebliches Problem (China 5.000 Fälle pro
Jahr, Indien sogar 15.000). Bei Reisen in diese Länder sollte man dies
bedenken.